Erste Episode. Wonnen (deutsch von Bettina Arlt)

(Les Trublions)

DER NÜTZLICHE: Es war einmal eine schlaffe Königin. Die lebte auf ihrem Thron. Sie war fett. Und rund. Denn sie hatte alles aufgegessen: die Marmelade, die Schweine. Und sie kannte die süßen Freuden des männlichen Geschlechts. Sie hatte einen Mann geliebt, doch dann hatte sie ihn satt.

DIE SCHLAFFE KÖNIGIN: Ich hab dich satt.

DER NÜTZLICHE: Hatte sie zu ihm gesagt. Und der Mann hatte sich gefügt und sich davon gemacht. Danach hatte sie leise geweint. Des Nachts gestöhnt. Und geklagt. Dann wurde sie nachts von einem männlichen Geschlecht überrascht, weil sie so geweint hatte. Das hatte sie alles schon. Und den Gesang der Vögel. Sie ließ nichts aus. Und diese Monsterfrau saß auf ihrem Thron wie ein nasser Sack.

DIE SCHLAFFE KÖNIGIN: Mir ist stinklangweilig.

DER NÜTZLICHE: Dachte sie.

DIE SCHLAFFE KÖNIGIN: Ich hab alles. Ich will sterben.

JACQUELINE: Nein, Majestät! Lasst Euch nicht unterkriegen, ich flehe Euch an! Wer wird sich sonst um die Regierungsgeschäfte kümmern? Ich werde einen Wettstreit veranstalten.

DER NÜTZLICHE:    Sagte Jacqueline die Kammerzofe. Jacqueline war eine unglaublich verträumte und tollpatschige Kammerzofe. Dauernd machte sie irgendwas kaputt. Das hat die schlaffe Königin nicht mehr ausgehalten.

DIE SCHLAFFE KÖNIGIN: Hau ab Jacqueline! Ich find dich unerträglich! Kündige doch endlich, um Himmels Willen!

JACQUELINE: Aha.

DER NÜTZLICHE:    Sagte Jacqueline.

DIE SCHLAFFE KÖNIGIN: Deine Ideen treiben mich zur Weißglut.

JACQUELINE: Aha.

DER NÜTZLICHE:    Sagte Jacqueline.

DIE SCHLAFFE KÖNIGIN: Wir sind einfach nicht auf derselben Wellenlänge.

DER NÜTZLICHE:    Und ab und zu bespuckte die Königin Jacqueline mit einer großen Schleimkugel. Sie hatten wirklich ein komisches Verhältnis. Und die Anwürfe der Königin brachten Jacqueline jedes Mal aus der Fassung. Ja sie war beinahe gekränkt.

JACQUELINE: Das war gemein. Ich hab nicht aufgepasst. Ich hab woanders hingeguckt und konnte nicht parieren.

DER NÜTZLICHE:    Nein. Jacqueline parierte nie. Oder wenn doch, dann zu spät. Sie hat immer zu lange überlegt. Und dann nahm sie eine schöne kalte Dusche, um zu vergessen. Denn Jacqueline war naiv. Sie zweifelte nie an der Liebe ihrer Königin.

JACQUELINE: Sie hat bloß schlechte Laune. Sie steckt in einer schweren Krise. Es ist Winter. Wir sind alle etwas erschöpft. Das ist ganz normal. Ich hab ja noch Glück. Ja. „Wenn sie spuckt, bin ich entzückt, weil der Schleim uns näherrückt.“

DER NÜTZLICHE:    Denn natürlich stand die feierliche Bespuckung jeden Tag aufs Neue auf der Tagesordnung und manchmal war Jacqueline klatschnass gespuckt, wenn sie von einem Streit mit Ihrer Majestät wiederkam.

JACQUELINE: Ich hab’s satt, immer die Gelackmeierte zu sein.

DER NÜTZLICHE:    Und jedesmal brach Jacqueline in Tränen aus. Sie brüllte wie ein Kalb und schlug mit dem Kopf gegen den hübschen Spiegel aus unbehandeltem Holz. Ein wertvoller Gegenstand.

JACQUELINE: Und wieder sieben Jahre Unglück!

DER NÜTZLICHE:    Heulte Jacqueline. Und dann hat sie sich die Füße aufgeschnitten.

JACQUELINE: Ich hab mir wehgetan!

DER NÜTZLICHE:    Flennte sie und fiel mitten in die Glasscherben hinein.

JACQUELINE: Ich bin entstellt!

DER NÜTZLICHE:    Plärrte Jacqueline.

JACQUELINE: Rettet mich!

DER NÜTZLICHE:    Und die dicke Königin desinfizierte Jacquelines Wunden.

DIE SCHLAFFE KÖNIGIN: Dir ist nicht zu helfen, meine Ärmste. Du bist unzugänglich wie ein umzäuntes Privatgelände! So kriegst du nie einen Mann.

DER NÜTZLICHE:    Da hat Jacqueline noch lauter geheult. Und ihr Geschrei riss die Wandbehänge im Schloss in Fetzen. Wegen Jacqueline herrschte großes Chaos im ganzen Königreich. Da wünschte sich die schlaffe Königin Ohropax herbei. Und einen friedlichen Ruhesitz weit weg von der Irren.

DIE SCHLAFFE KÖNIGIN: Ich möchte gerne in Saint-Jean-de-Braye leben!

DER NÜTZLICHE:    Sagte sie.

DIE SCHLAFFE KÖNIGIN: Aber ich kann nicht verreisen, ich bin so fett geworden.

DER NÜTZLICHE:    Und dann hat die Königin Jacqueline umgebracht. Es war wirklich ein mühsames, beschwerliches Leben.

JACQUELINE: Das ist doch kein Leben!

DER NÜTZLICHE:    Sagte Jacqueline.

JACQUELINE: Wenn das so weitergeht, werden wir uns noch gegenseitig massakrieren. Und wer macht dann Euer Zimmer? Wer macht morgens ganz leise den Abwasch, damit Ihr nicht wach werdet?

DIE SCHLAFFE KÖNIGIN: Stimmt.

DER NÜTZLICHE:    Sagte die schlaffe Königin.

DIE SCHLAFFE KÖNIGIN: Schlaf mit mir, sofort. Ich will ein Kind. Das spüre ich. Hier. Und jetzt. Ich hab gute Laune. Los. Beeil dich, Jacqueline.

JACQUELINE: Gut.

DER NÜTZLICHE:    Sagte Jacqueline.

JACQUELINE: Warte. Ich komme, ich komm. Eine hervorragende Idee. Hilf mir. Ich liebe es, wenn das Haus von Schreien widerhallt.

DER NÜTZLICHE:    Und nach dem Liebesakt hat die Königin schön die Beine gehoben damit Jacquelines Sperma in ihr blieb.

DIE SCHLAFFE KÖNIGIN: Ich will sofort einen Test machen.

DER NÜTZLICHE:    Sagte die schlaffe Königin.

DIE SCHLAFFE KÖNIGIN: Los! Schnell in die Apotheke!

JACQUELINE: O wundersame Fügung! Es ist ein Mädchen!

DER NÜTZLICHE:    Sagte Jacqueline.

JACQUELINE: Ich ruf sofort meine Mutter an!

DIE SCHLAFFE KÖNIGIN: Oh nein, nicht deine Mutter!

DER NÜTZLICHE:    Sagte die schlaffe Königin.

DIE SCHLAFFE KÖNIGIN: Die find ich unerträglich!

JACQUELINE: Sag nichts gegen meine Mutter!

DER NÜTZLICHE:    Sagte Jacqueline auf halbem Weg hinaus.

DIE SCHLAFFE KÖNIGIN: Du kannst mich mal!

DER NÜTZLICHE:    Sagte die schlaffe Königin.

DIE SCHLAFFE KÖNIGIN: Ich will das Kind sowieso nicht mehr. Ich hab Angst vor ihm. Du bist kein guter Vater.

JACQUELINE: Aha.

DER NÜTZLICHE:    Sagte Jacqueline.

DIE SCHLAFFE KÖNIGIN: Ja. Ich hab mir das gut überlegt.

DER NÜTZLICHE:    Sagte die schlaffe Königin.

DIE SCHLAFFE KÖNIGIN: Schneid mir bitte die Eileiter durch. Ich will sterben.

JACQUELINE: Nein, Majestät! Lasst Euch nicht unterkriegen, ich flehe Euch an! Wer wird sich sonst um die Regierungsgeschäfte kümmern? Ich werde einen Wettstreit veranstalten.